Zum Inhalt springen
Alle müssen mal Von Maria Otworowska, PhD 7 Min. Lesezeit

Wie oft ist Stuhlgang normal? So findest du deinen eigenen Rhythmus

Wie oft ist Stuhlgang normal? Alles zwischen dreimal am Tag und dreimal pro Woche ist üblich. Was dein Bristol-Typ verrät und wie du herausfindest, wie es bei dir normalerweise läuft.

Wie oft ist Stuhlgang normal? Die meisten Menschen gehen irgendwo zwischen dreimal am Tag und dreimal pro Woche aufs Klo, und alles in diesem Bereich kann für dich normal sein. Die eine richtige Zahl für alle hat bisher niemand gefunden. Mehr verrät dir dein eigenes Muster: Stuhlgang, der ohne Kraftakt klappt, meistens Typ 3 bis 5 auf der Bristol-Stuhlskala, und keine große Abweichung davon, wie es bei dir sonst läuft. Wenn du das noch gar nicht weißt, trag es zwei Wochen lang ein.

Wie oft am Tag oder pro Woche ist Stuhlgang normal?

Die Faustregel „dreimal am Tag bis dreimal pro Woche“ stammt aus einer Umfrage von 1982 unter 789 Studierenden und Krankenhausbeschäftigten. Von ihnen lagen 94,2 % in diesem Bereich (Drossman et al. 1982).

Seitdem hat sie sich gut gehalten. In einer Umfrage von 2018 unter 4.775 Erwachsenen in den USA, die ihre Verdauung als normal beschrieben, gaben 95,9 % zwischen 3 und 21 Stuhlgängen pro Woche an (Mitsuhashi et al. 2018).

Zweimal am Tag liegt also im Rahmen, jeden zweiten Tag genauso. Achte lieber darauf, ob es leicht geht und du danach das Gefühl hast, dass alles raus ist.

Dein Darm fährt nicht nach Fahrplan

Das „einmal am Tag“, das alle für normal halten, ist seltener, als man denkt. In einer Studie mit fast 1.900 Menschen im englischen Bristol war einmal täglich zwar die häufigste Gewohnheit. Trotzdem gingen nur 40 % der Männer und 33 % der Frauen regelmäßig im 24-Stunden-Takt, und ein Drittel der Frauen ging seltener als einmal am Tag (Heaton et al. 1992).

Wenn dein Darm eigene Öffnungszeiten hat, gehörst du zur Mehrheit. Auch ein Langstreckenflug, eine Deadline oder eine Woche Pizza vom Lieferdienst können deinen Rhythmus für ein paar Tage durcheinanderbringen.

Die Bristol-Stuhlskala: Was dein Stuhltyp verrät

Die Bristol-Stuhlskala teilt Stuhl in sieben Typen ein, von harten Klumpen bis flüssig. Beliebt ist sie aus gutem Grund: Die Form sagt grob etwas über die Transitzeit, also darüber, wie schnell das Essen durch den Darm wandert. In einer Studie mit 66 Freiwilligen hing der Stuhltyp enger mit der Transitzeit zusammen als die Frage, wie oft jemand ging oder wie viel dabei rauskam (Lewis und Heaton 1997).

TypSo sieht er ausWas das vermutlich heißt
Typ 1: einzelne harte Klumpen 1Einzelne harte Klumpen, wie Nüsse oder Kieselsteine. Schwer rauszukriegenLangsam. Das lag schon eine Weile drin
Typ 2: klumpige Wurst 2Wurstförmig, aber klumpigEher langsam
Typ 3: Wurst mit Rissen 3Eine Wurst mit Rissen an der OberflächeIm mittleren Bereich
Typ 4: glatte, weiche Wurst 4Eine glatte, weiche Wurst oder SchlangeIm mittleren Bereich
Typ 5: weiche Klümpchen 5Weiche Klümpchen mit klaren Kanten. Gehen leicht rausMittel bis zügig
Typ 6: breiige, ausgefranste Stücke 6Flockige, breiige Stücke mit ausgefransten RändernSchnell
Typ 7: wässrig 7Wässrig, ohne feste StückeSehr schnell

In der US-Umfrage von 2018 gaben 90 % der Männer mit normaler Verdauung Typ 3 bis 5 an. Bei Frauen war die Spanne breiter, Typ 2 bis 6 (Mitsuhashi et al. 2018).

Einen Typ-6-Tag nach einem großen Curry hat jeder mal. Hält so ein Muster aber über Wochen an, lohnt sich ein genauerer Blick.

Was ist Stuhltyp 4? Die glatte, weiche Mitte

Typ 4: glatte, weiche Wurst

Typ 4 ist die glatte, weiche Wurst, die manche Skalen als Schlange zeichnen. Er liegt genau in der Mitte: weich genug, um ohne Pressen rauszukommen, und fest genug, um in Form zu bleiben. Die meisten Skalen sehen in ihm das große Geschäft wie aus dem Lehrbuch.

Typ 3 und Typ 5 liegen direkt daneben, und eine Mischung aus allen dreien ist eine ganz normale Woche.

Seltener Stuhlgang zeigt sich nicht nur auf dem Klo

Eine Studie von 2024 hat 1.425 allgemein gesunde Erwachsene danach eingeteilt, wie oft sie aufs Klo gehen. Wer seltener ging, hatte mehr bakterielle Abbauprodukte im Blut. Darmbakterien bilden diese Stoffe, wenn ihnen die Ballaststoffe ausgehen und sie anfangen, Eiweiß abzubauen. Wer mehr Gemüse und Obst aß, landete eher in der Gruppe, die ein- bis dreimal am Tag ging (Johnson-Martínez et al. 2024).

Die Studie ist eine Momentaufnahme. Was zuerst da war, kann sie deshalb nicht zeigen.

Zwei Wochen Stuhltagebuch: So geht's

Du brauchst eine Notizen-App oder einen Zettel und etwa zehn Sekunden pro Klogang. Trag es gleich beim Händewaschen ein, denn abends weißt du es meistens nicht mehr so genau.

Was du einträgstWieWarum
Jeden StuhlgangUhrzeit und Bristol-Typ von 1 bis 7So siehst du, wie oft du wirklich gehst und welcher Typ bei dir üblich ist
Wie es liefLeicht, mit Pressen oder in Eile, und ob du das Gefühl hattest, dass alles raus istDas verrät dir der Typ allein nicht
Den TagGrob die Mahlzeiten, Wasser, Schlaf, Stress, Reisen, PeriodeDamit du siehst, was vor einer Veränderung los war

In zwei Wochen stecken zwei Wochenenden und genug ganz normale Werktage. Am Ende rechnest du aus, wie oft du im Schnitt pro Tag gegangen bist und welcher Anteil Typ 3 bis 5 war. Dann zählst du die Klogänge, die sich nach harter Arbeit angefühlt haben. Diese Zahlen sind deine Ausgangslage. An ihnen misst du jede Veränderung, die du als Nächstes ausprobierst.

Wenn dich das Eintragen nervös macht, trag weniger ein oder mach eine Weile Pause.

Ein kleiner Test, gemessen an deinen eigenen Tagen

Sobald du weißt, wie es bei dir normalerweise läuft, such dir eine Veränderung aus und gib ihr etwa zwei Wochen. Halte alles andere so gleich wie möglich und trag weiter genauso ein.

Ein paar Dinge, die viele zuerst testen:

  • Zwei grüne Kiwis am Tag. In einer Studie mit Menschen, die oft Verstopfung hatten, brachten zwei grüne Kiwis täglich über 4 Wochen etwa 1,5 vollständige Stuhlgänge mehr pro Woche, also die Sorte, nach der du das Gefühl hast, dass alles raus ist (Gearry et al. 2023). Bezahlt hat die Studie ein Kiwi-Unternehmen, behalte das beim Lesen im Hinterkopf.
  • Ein Glas Wasser zu jeder Mahlzeit.
  • Jeden Tag ein ballaststoffreiches Frühstück, zum Beispiel Haferflocken mit Obst.

Am Ende legst du deine Testwochen neben deine Ausgangswochen und vergleichst dieselben Zahlen. Jeder Test endet mit „hat geholfen“, „keine Veränderung“, „schlechter“ oder „unklar“. Hat er geholfen, lass die Veränderung eine Woche weg und schau, ob deine Tage wieder zurückrutschen. Wenn ja, lag es vermutlich an der Veränderung. Die Kiwi-Studie lief vier Wochen. Kommt nach zwei Wochen also „unklar“ heraus, häng noch zwei dran.

Geht es in deinem Test ums Weglassen, zum Beispiel um den dritten Kaffee am Tag, hol ihn am Ende zurück und schau, was passiert. Danach entscheidest du, ob du dabei bleibst oder nicht.

Spar dir das Notizbuch

Gut Twin (Darm-Zwilling) führt dieses Tagebuch für dich. Du wählst deine Mahlzeiten aus einer Lebensmittelliste, trägst deinen Stuhlgang ein und wie sich dein Bauch anfühlt, und machst einen kleinen Test nach dem anderen, gemessen an deinen eigenen Tagen. Jeder Test endet mit einem von vier Ergebnissen: hat geholfen, keine Veränderung, schlechter oder unklar. Solange ein Test es nicht bestätigt, ist jeder Verdächtige nur unsere beste Vermutung. Eine Notizen-App tut es aber auch.

Was wir noch nicht wissen

Die Spanne von dreimal am Tag bis dreimal pro Woche beschreibt, was in Umfragen häufig vorkommt. Ob das langsame Ende genauso gut für dich ist wie die Mitte, ist noch offen, und die Blutstudie von 2024 ist nur eine Momentaufnahme. Die richtige Zahl für einen einzelnen Menschen hat noch niemand herausgefunden. Deine eigenen zwei Wochen Einträge können zeigen, wie es bei dir normalerweise läuft. Ob dieser Rhythmus der beste für deine Gesundheit ist, bleibt offen.

Quellen

  • Drossman DA, et al. 1982. Bowel patterns among subjects not seeking health care. Use of a questionnaire to identify a population with bowel dysfunction. Gastroenterology. Einige Belege. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/7095360/
  • Gearry R, et al. 2023. Consumption of 2 Green Kiwifruits Daily Improves Constipation and Abdominal Comfort-Results of an International Multicenter Randomized Controlled Trial. American Journal of Gastroenterology. Einige Belege. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36537785/
  • Heaton KW, et al. 1992. Defecation frequency and timing, and stool form in the general population: a prospective study. Gut. Einige Belege. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1624166/
  • Johnson-Martínez JP, et al. 2024. Aberrant bowel movement frequencies coincide with increased microbe-derived blood metabolites associated with reduced organ function. Cell Reports Medicine. Frühe Belege. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39019013/
  • Lewis SJ, Heaton KW. 1997. Stool form scale as a useful guide to intestinal transit time. Scandinavian Journal of Gastroenterology. Frühe Belege. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9299672/
  • Mitsuhashi S, et al. 2018. Characterizing Normal Bowel Frequency and Consistency in a Representative Sample of Adults in the United States (NHANES). American Journal of Gastroenterology. Einige Belege. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28762379/
MO
Geschrieben von

Maria Otworowska, PhD

Mitgründerin, Bliss Labs

Hat in computergestützter Kognitionswissenschaft und KI promoviert. Sie hat Bliss Labs mitgegründet, das Studio hinter Gut Twin (Darm-Zwilling), und Skin Bliss gebaut, eine App mit über 3 Millionen Installationen.

Bei der Beta mitmachen